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Experten-Interview: Der Sektor Gebäude in Kochi

Interview mit den Gebäude-Experten im City Lab Kochi

Sabine Giglmeier, Managerin Business Development, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, Holzkirchen

Matthias Winkler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, Holzkirchen

Die rasante Urbanisierung in Verbindung mit der begrenzten Verfügbarkeit von geeignetem Bauland hat in Kochi zu einer Wohnungsknappheit geführt. Hinzu kommt, dass der größte Teil der Stadtstruktur in Gebieten mit niedriger Küstenlinie oder in Küstennähe errichtet wurde. Mit einer Küstenlänge von 48 Kilometern und einer Höhe von nur 5 Metern über dem Meeresspiegel ist die Stadt selbst bei einem minimalen Anstieg des Meeresspiegels extrem anfällig für Erosion und Überschwemmungen.

Das erste Ziel des SDG 11 “Nachhaltige Städte und Gemeinden” ist die Gewährleistung des Zugangs zu angemessenem, sicherem und erschwinglichem Wohnraum bis 2030. Klimaanpassung im Bausektor ist notwendig, um die Anfälligkeit für Risiken wie Überschwemmungen und Erdrutsche zu verringern, und kann erheblich zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Ein emissionsarmer und klimaresistenter Wohnraum ist der Schlüssel für eine nachhaltige Stadtentwicklung und die Förderung der Lebensqualität für die Bürger. Daher ist der Bereich Wohnen und bebaute Umwelt einer der drei ausgewählten Schwerpunktbereiche des City Lab Kochi. Um mehr über die lokalen Besonderheiten in diesem Sektor zu erfahren, haben wir unseren Experten einige Fragen gestellt.

F.: Welche Methode wurde für die Identifizierung des Sektors Wohnungsbau genutzt und was sind die Gründe für die Auswahl des Sektors in Kochi?

Die Sektoren, auf die sich das MGI-Team konzentrieren würde, wurden zusammen mit Stakeholdern aus der Stadt ausgewählt, in diesem Fall – unter anderem – mit CSML.

Da Kochi das wirtschaftliche, touristische und kommerzielle Zentrum des Bundesstaates Kerala ist, weist es ein hohes Maß an städtischem Wachstum auf, und der Wohnungsmangel wird dort zu einem großen Problem.

Bei unserem Besuch in der Stadt beschlossen wir, unseren Schwerpunkt auf die gesamte gebaute Umwelt auszudehnen, da einige Fragen des Stadtklimas, z.B. die Auswirkungen städtischer Hitzeinseln, zunehmen. 

Kochi

F.: Welches sind die wichtigsten Faktoren beim Wohnungsbau in Kochi? Welche spezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten gibt es in der Stadt beim Thema Wohnungsbau?

Der Mangel an Wohnraum ist in Kochi prominent. Zwar werden von der lokalen, bundesstaatlichen und zentralen Regierung Anstrengungen unternommen, um erschwingliche Wohnlösungen bereitzustellen, aber die größte Herausforderung ist die begrenzte Verfügbarkeit von geeignetem Land und die geringe Akzeptanz der bereitgestellten Massenwohneinheiten. Viele Menschen leben sehr nah an den Küsten, manchmal illegal.

Darüber hinaus lässt die hohe Dichte der Bebauung wenig Platz für Grünflächen. Grünflächen sind jedoch essentiell für die Regulierung des Stadtklimas und zur Abmilderung extremer Oberflächenabflüsse nach Regenfällen. Da die Auswirkungen der städtischen Hitzeinseln spürbar zunehmen, werden erste Maßnahmen ergriffen, um die Stadt grüner zu gestalten.

Außerdem sind die Menschen im Staat Kerala gut informiert und bringen sich aktiv in die Politik ein. Dieser Umstand ist sehr wertvoll, muss aber auch sehr früh in der Projektplanung berücksichtigt werden, um die Akzeptanz der Bürger für eine erfolgreiche Umsetzung zu sichern.

F.: Welche Strategien und Werkzeuge werden genutzt, um innovative Lösungen im Bereich Wohnungsbau für die Verbesserung des Nachhaltigkeitsprofils sowie der Resilienz der Stadt gegenüber Klimarisiken zu finden?

Die umfassende Analyse der Indikatoren, Aktionsfelder und Wirkungsfaktoren hat ergeben, dass die Bewältigung der städtischen Herausforderungen neben der Bereitstellung technologischer Lösungen auch Interventionen erfordert, die auf den Aufbau lokaler Kapazitäten abzielen.

Eine ressortübergreifende Kooperationskultur, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umwelt sowie der Dialog über nachhaltige Finanzierungsmöglichkeiten sollten nicht übersehen werden. Um Kochi bei der Bewältigung seiner Herausforderungen und institutionellen Lücken in den Schwerpunktsektoren zu unterstützen, hat City Lab Kochi in Zusammenarbeit mit den lokalen Partnern 15 Projektideen definiert.

Kochi
Kochi

F.: Gibt es schon konkrete Beispiele für Lösungen oder Projekte im Sektor Wohnungsbau?

Der Prozess der Stadtanalyse ist abgeschlossen und die Ergebnisse wurden im City Lab Report veröffentlicht. Außerdem haben wir bereits verschiedene Projektideen entwickelt und mit den lokalen Akteuren diskutiert. Die Projektvorschläge mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis wurden nach gültigen Kriterien für eine detailliertere Ausarbeitung ausgewählt. Derzeit befinden wir uns in der Planungsphase für das Leuchtturmprojekt “Nachhaltige Nachbarschaft”, welches die Sektoren Energie, Wasser und Wohnen vereint und in dem ein Stadtteil mit 100-200 Häusern saniert werden soll. Die Vision ist eine klimaneutrale Nachbarschaft mit dezentralem Abwassermanagement, mehr Grünflächen und anderen Maßnahmen für ein besseres Regenwasser- und Klimamanagement innerhalb der Gebäude sowie in der Umgebung.