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Experten-Interview: Der Sektor Mobilität in Saltillo

Interview mit der Mobilitäts-Expertin im City Lab Saltillo

Sonja Stöffler, MGI-Mobilitätsexpertin für Saltillo, Co-Leitung City Lab Piura, Universität Stuttgart IAT, Stuttgart

F.: Welche Methode wurde für die Identifizierung des Sektors Mobilität genutzt und was sind die Gründe für die Auswahl des Sektors in Saltillo?

A.: Ich stieß im März 2020 zum Projekt als Mobilitäts-Expertin in Saltillo hinzu. Zu diesem Zeitpunkt war der Sektor bereits definiert. Nichtsdestotrotz steht die Stadt in diesem Sektor vor einigen ernsthaften Herausforderungen, wie z.B. dem hohen Pkw-Besitz oder der mangelnden Fahrrad- und Fußgängerinfrastruktur. Darüber hinaus weist die Luftqualität auf einen Alarmzustand hin, der von der Stadt zum frühestmöglichen Zeitpunkt angegangen werden sollte. Daher ist der Mobilitätssektor eine naheliegende Wahl.

 

F.: Welches sind die wichtigsten Faktoren bei der Mobilität in Saltillo? Welche spezifischen Herausforderungen und Möglichkeiten gibt es in der Stadt beim Thema Mobilität?

A.: Der Mobilitätssektor ist eng mit einer nachhaltigen Stadtplanung verbunden. Die Zahl der Fahrten der Einwohner mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist hoch genug, um sagen zu können, dass es eine konstante Nachfrage nach zuverlässigen städtischen Verkehrsdiensten gibt. Aber im Moment ist die Infrastruktur der Stadt für das Auto als Hauptverkehrsmittel ausgelegt. Das bedeutet, dass eine verbesserte Infrastruktur für Fußgänger und Fahrräder sowie alternative Verkehrsmittel erforderlich sind, wenn der Mobilitätssektor nachhaltiger werden soll. Einige Anstrengungen wurden bereits von der letzten und der gegenwärtigen Regierung unternommen. Das öffentliche Verkehrssystem wurde modernisiert, Fahrradwege wurden geschaffen – aber es liegt noch ein langer Weg vor uns. Obwohl ein Teil der Bevölkerung sich dieser Situation bewusst ist und es einen Umwelt-Bürgerrat gibt, fehlt in der Öffentlichkeit noch immer das Interesse am Thema Mobilität.

Saltillo

F.: Welche Strategien und Werkzeuge werden genutzt, um innovative Lösungen im Bereich Mobilität für die Verbesserung des Nachhaltigkeitsprofils sowie der Resilienz der Stadt gegenüber Klimarisiken zu finden?

A.: MGI folgt der Morgenstadt-Methodik, die für Länder, welche stark vom Klimawandel betroffen sind und deren lokalen Kontext angepasst wurde. Diese Methodik umfasst eine Stadtanalyse auf der Grundlage von Indikatoren und Handlungsfeldern, Stakeholder Maps, Interviews, einen kreativen Workshop und Methoden zur Identifizierung innovativer Lösungen.

F.: Gibt es schon konkrete Beispiele für Lösungen oder Projekte im Sektor Mobilität?

A.: Die Stadt hat in den letzten Jahren einige Verbesserungen im Bereich der Mobilität vorgenommen. Das bedeutet, dass einige Projektideen bereits vom Bürgerrat oder dem städtischen Planungsinstitut beraten wurden. Nichtsdestotrotz befragen wir in dieser Phase des Projekts gerade wichtige Akteure, die ebenfalls interessante Projektideen beisteuern könnten. All diese Informationen werden später im Prozess berücksichtigt, da die Projektideen auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit und anderer Auswahlkriterien bewertet werden.

Wir haben viele interessante Projektideen, die momentan und in Zukunft noch konkretisiert werden. Was aber auffällig ist, ist die Tatsache, dass bei intelligenten Mobilitätslösungen oft zuerst an Technologie gedacht wird, aber es geht viel weiter als das. Man muss ganzheitlich über die Lösungen nachdenken, den Prozess, die Pläne und die beteiligten Stakeholder dahinter verstehen.