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MGI Webinar Bericht: “Linking COVID-19 Response to Climate Action”

MGI Webinar Bericht: "Linking COVID-19 Response to Climate Action"

Am 29. Januar fand das erste öffentliche Webinar der Morgenstadt Global Smart Cities Initiative (MGI) statt. Unter dem Motto “Linking COVID-19 Response to Climate Action” wurden Input-Präsentationen von internationalen Experten gehalten und von einem Publikum aus der ganzen Welt diskutiert.

Abb. 1: Agenda des Webinars

Einflussfaktoren und Interventionsbereiche zwischen COVID-19 und der Klimakrise

Nach einer kurzen einführenden Präsentation des aktuellen Projektstandes durch den Projektkoordinator Dr. Markus Schwegler von der Universität Stuttgart, präsentierte Sophie Mok vom Fraunhofer IAO eine Zusammenfassung der Ergebnisse der MGI-Session zum Thema COVID-Maßnahmen und Klimastrategien im Juli letzten Jahres. Ziel war es, den Austausch zwischen den Partnerstädten über die wichtigsten Auswirkungen und Herausforderungen bei den COVID-19-recovery Strategien zu erleichtern und die Interventionsbereiche zur Bewältigung sowohl der Corona- als auch der Klimakrise zu erkunden.

Die Input-Präsentationen des Webinars entsprachen den vom MGI-Konsortium als am wichtigsten identifizierten Einflussfaktoren zur Überwindung der COVID-19-Krise: Wissen und Bildung, Stakeholder und Strukturen, Politik, Finanzierung und Ressourcen sowie Digitalisierung. Aus den vorgestellten Interventionsbereichen am Schnittpunkt beider Krisen wurden die Teilnehmer des Webinars gebeten, die Vorschläge zu priorisieren (siehe Abbildung 3). Starke Gemeinschaften und Nachbarschaften wurden als am wichtigsten erachtet, multifunktionale Grünflächen als zweitwichtigste, dicht gefolgt von Homeoffice und neuer flexibler Arbeit sowie lokaler und urbaner Landwirtschaft und schließlich Radfahren und zu Fuß gehen.

Abb. 2: Städte aus denen teilgenommen wurde
Abb.3: Voting Ergebnisse zu Interventionsbereichen

Parallelen zwischen Klima und COVID-19 Resilienz und das Thema Finanzierung

Der erste Input-Vortrag wurde von Gaetan Hinojosa von South Pole gehalten. Er betonte die deutliche Überschneidung von Klima und COVID-19 Resilienz, da beide unsere Gesundheit und Lebensgrundlagen beeinflussen, insbesondere im Hinblick auf gefährdete Bevölkerungsgruppen. Besonders ausgeprägt sind die Parallelen in den Bereichen Energie und Stadtplanung. Grüne Infrastruktur und städtische Grünflächen wirken zum Beispiel dem städtischen Wärmeinseleffekt entgegen und verringern die Luftverschmutzung, wodurch das Risiko von Atemwegserkrankungen sinkt, während sie gleichzeitig das Wohlbefinden steigern, indem sie Erholungsgebiete bereitstellen, die auch bei coronabedingten Einschränkungen zugänglich sind.

Abb. 4: Präsentation zu COVID und Klimaresilienz

Die Erkenntnis, dass sowohl die Probleme als auch die Lösungen der beiden Krisen eng miteinander verbunden und in vielen Fällen voneinander abhängig sind, fordert nach Anstrengungen für eine nachhaltige COVID-19 Regeneration und bringt die Frage der Finanzierung mit sich. Zwei konkrete Beispiele wurden in der Präsentation hervorgehoben: Green Economic Recovery Plans für Unternehmen und die Neugestaltung von Städten und Investitionen in klimaresiliente urbane Maßnahmen.

Während sie das Rückgrat der Wirtschaft der meisten Länder bilden, wurden kleine und mittlere Unternehmen (SMEs) von der Corona-Pandemie schwer getroffen und sollten daher im Fokus der Finanzierung einer nachhaltigen Erholung nach COVID stehen. Darüber hinaus haben sich Green Recovery Plans, die darauf abzielen, die wirtschaftliche Aktivität anzukurbeln und gleichzeitig CO2-Emissionen zu reduzieren, als besser für die Beschäftigungslage, die Umwelt und das BIP erwiesen als ein Standardansatz zur “return to normal”, bei dem die Mehrwertsteuersätze gesenkt und die Haushalte zur Rückkehr zu den Ausgaben ermutigt werden. Mit der Kombination dieser Annahmen verwaltet South Pole den Swiss Technology Fund mit, der Kreditgarantien für SMEs bereitstellt, die nachhaltige Produkte und Dienstleistungen verkaufen.   

Die zweite Strategie sieht die Neugestaltung von Städten und Investitionen in klimaresiliente urbane Maßnahmen vor. Wie bereits erwähnt, fördert eine umweltfreundliche urbane Infrastruktur sowohl die Klimaresilienz als auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber COVID-19-Einflüssen. In diesem Bereich leitet South Pole das City Finance Lab (CFL), das die Entwicklung von innovativen Finanzierungslösungen für nachhaltige Städte unterstützt. 

Intelligente Entscheidungsfindung auf Basis verlässlicher Daten

Wie bereits erwähnt, ist die wissensbasierte Entscheidungsfindung ein zentraler Einflussfaktor, um die Probleme, die sowohl durch die Corona- als auch durch die Klimakrise verursacht werden, anzugehen. In diesem Zusammenhang sind die Digitalisierung und insbesondere verlässliche Daten in Echtzeit der Schlüssel. Ein praktisches Beispiel lieferte der zweite Vortrag von Jens Peter Seick vom Fraunhofer IOSB-INA, Projektleiter des IoT-Living-Labs “Lemgo Digital”.

Abb. 5: Präsentation zum Social Distance Index

Da sich das Living Lab darauf konzentriert, die Digitalisierung zum Nutzen der Bürger in der Stadt Lemgo einzusetzen, eröffnen die gravierenden Auswirkungen von COVID-19 auf die Innenstädte ein breites Handlungsfeld. Der Einzelhandel hatte schon vor der Corona-Krise einen hohen Bedarf an digitalen Lösungen, der nun aufgrund der immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Situation weiter steigt. Ein wichtiger Ansatz ist die Sensorik zur Situationserkennung, mit der sich unter anderem der Fußgängerverkehr messen lässt. In Zeiten einer Pandemie kann Datentracking wie der Social Distance Index zum einen als Entscheidungshilfe für Maßnahmen und zum anderen als praktisches Hilfsmittel zur Einhaltung von sozialen Distanzierungsregeln genutzt werden. Diese Fälle von intelligenter Nutzung von Daten und Technologie zeigen deren Multifunktionalität und bieten zweifellos einen Wert über die Corona-Krise hinaus. Dieses spezifische Beispiel zeigt, wie die Krise bestehende Trends wie die Verlagerung vom lokalen Einzelhandel zum Online- und Versandhandel hervorgehoben und verschärft hat und damit einen noch dringenderen Bedarf an Lösungen geschaffen hat.  

Die Bedeutung von Nachbarschaften und aktiver Bürgerbeteiligung

Die durch die COVID-19-Pandemie verursachte Unterbrechung unseres Alltags offenbarte das menschliche Potenzial für eine radikale Verhaltensanpassung in Krisenzeiten sowie eine Neubewertung persönlicher wie auch öffentlicher Prioritäten. Zu diesem Thema präsentierte Stella Schroeder, Professorin und Forscherin an der Universität von Piura, eine aktuelle Studie über Anpassungsstrategien in öffentlichen Räumen der Nachbarschaft, während der COVID-19-Pandemie, die in Zusammenarbeit mit sieben Universitäten in Peru und Chile durchgeführt wurde. Sie betonte die Tatsache, dass die aktuelle Pandemie sowohl ein Problem als auch eine Chance ist, da sie unsere Beziehung zum städtischen Raum verändert hat und eine aktive Bürgerschaft fördert.

Abb. 6: Präsentation zu COVID-Adaptionsforschung in Nachbarschaften von Peru und Chile

Die Forschungsarbeit wurde im September und Oktober 2020 über Online- sowie Offline-Befragungen in den drei mittelgroßen Wüstenstädten Piura (Peru), Tacna (Peru) und Iquique (Chile) durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass die COVID-19-Krise das tägliche Leben der Bürger mehr als alles andere in den letzten 20 Jahren beeinflusste, sogar mehr als Klimarisiken wie Erdbeben und das El-Niño-Phänomen, die in den Städten vorherrschend sind. Infolgedessen ziehen die Menschen kleinere öffentliche Räume in ihrer direkten Nachbarschaft den großen öffentlichen Parks vor. Außerdem fand eine Zunahme des informellen stationären Verkaufs statt und kleinere neue Geschäfte wurden eröffnet. Insgesamt gewann die direkte Nachbarschaft an Bedeutung, da die Bürger den Fußweg den öffentlichen Verkehrsmitteln vorzogen und in der Nähe ihres Wohnorts blieben. Folglich werden die Gebiete in Selbstorganisation von den Nachbarn ordentlich und sauber gehalten und Verschönerung sowie Urban Farming intensiver betrieben. 

Die temporären urbanen Lösungen, die durch die Auswirkungen der Pandemie notwendig wurden, bergen das Potenzial für positive Veränderungen im urbanen Raum, wenn sie in mittel- bis langfristige Lösungen umgesetzt werden. Eine dauerhafte Transformation hin zu einer verbesserten urbanen Resilienz in Bezug auf Klimarisiken sowie das Wohlbefinden der Bevölkerung erfordert eine Fortsetzung der Veränderungen in persönlichen Gewohnheiten, Politiken, Anreizen und Infrastrukturen.

 

Lokaler Einfluss für globalen Wandel

Die wachsende Bedeutung von Gemeinschaft in Zeiten von Corona unterstrich auch der letzte Vortrag von Laura Rathjen, Mitbegründerin und Impact Officer der Global Shapers Stuttgart Hub über die Bottom-up-Community-Support-Initiative “Stuttgarts Shopping Buddies”. Während der Pandemie ist die Nachfrage nach den Dienstleistungen der Tafeln gestiegen, aber aufgrund der notwendigen Hygiene- und sozialen Distanzierungsmaßnahmen, die zu langen Warteschlangen führen, ist der Zugang schwieriger geworden. 

Abb. 7: Präsentation zu Stuttgarts Shopping Buddies

Die Initiative wurde im März 2020 während der ersten Welle der Pandemie in Deutschland gegründet und unterstützt diejenigen, die unter den neuen Umständen nicht in der Lage sind, zu den Tafeln zu gehen. So wird nicht nur die körperliche Versorgung von Menschen sichergestellt, die aufgrund ihres Alters oder Gesundheitszustandes stark gefährdet sind, sondern auch emotionale Unterstützung angeboten und die Nachbarschaftssolidarität gefördert. 

Als Jugendorganisation des Weltwirtschaftsforums setzt die Global Shapers Community auf lokale Wirkung für den globalen Wandel in den Bereichen Klima und Umwelt, Bildung und Beschäftigung sowie Gerechtigkeit und Inklusion. Mit dem Ausbruch der Pandemie ist der Einfluss von COVID-19 zu einem zusätzlichen Schwerpunkt geworden, und der Hub arbeitet eng mit der Stadt Stuttgart zusammen, um Freiwillige und Menschen in Not miteinander zu verbinden, nicht nur im Hinblick auf die aktuelle Krise, sondern auch auf die Zukunft, im Hinblick auf den Klimaschutz.

Zusammenfassend veranschaulichte das Webinar, wie COVID-19-Auswirkungen und Klimarisiken miteinander in Beziehung stehen und Möglichkeiten zur Synergie bei der Verbesserung der globalen Krisenresilienz bieten könnten. Es bot sowohl internationale als auch interdisziplinäre Perspektiven auf die Finanzierung einer Green COVID-Recovery, die intelligente Nutzung von Daten und Technologien, die aktive Bürgerschaft bei der Transformation des urbanen Raums sowie die Bedeutung von Solidarität und Gemeinschaft zur Überwindung von Krisen.